Nikolaus und die anderen – Tiere in tschechischen Filmen

Es ist Sommer – schauen wir also einmal auf die Tiere, die an der Seite von Menschen in legendären tschechischen Filmen gespielt haben. Wie sah ihr Schicksal aus? Und haben sie auch in anderen Filmen mitgewirkt?

Arnošt und Andulka

Die schwarze, zottelige Kugel, die Tomáš Holý am Anfang des Films „Jak vytrhnout velrybě stoličku/Wie man einem Wal den Backenzahn zieht“ vom Hausmeister mitbringt, war in Wirklichkeit der Hund einer Nachbarin der Regisseurin Marie Poledňáková. Eines Tages hatte sie in einer Mülltonne einen ausgesetzten Welpen gefunden und ihn aufgenommen. Der Name Arnošt war echt.

Tomáš Holý und Arnošt

Der Hund Beník, den Vašek später vor der Schule von seinem Vater bekommt, war in Wirklichkeit ein Mädchen. Sie hieß Andulka und gehörte der Schauspielerin Radka Stupková.

Die Aufnahmen vor der Schule im Prager Stadtteil Petřiny waren zugleich die letzten Szenen, die Tomáš Holý für diesen Film drehte. Die Besitzer glaubten, die Filmemacher würden Andulka nicht mehr brauchen, und ließen ihr deshalb einen Frühlingshaarschnitt machen. So bekommt Vašek vor der Schule einen geschorenen Welpen, der bis zum nächsten Morgen auf wundersame Weise wieder nachgewachsen ist – vor allem am Kopf. Wenn man sehr genau hinsieht, kann man es bemerken.

Achten Sie auch darauf, dass am Ende des Films auf dem Sofa neben Andulka ein Schulheft liegt. Im Drehbuch gab es nämlich eine gestrichene, nie realisierte Einstellung: Der Hund sollte sich in einem unbeobachteten Moment Vašeks Schulheft schnappen, es zerreißen und völlig vernichten.

Cley

Beník in der Fortsetzung „Jak dostat tatínka do polepšovny/Wie man den Vater in die Besserungsanstalt bekommt“ ist ein ganz anderer Hund. Er hieß Cley und gehörte der Script-Girl des Films.

Für alle, die mit dem Filmen nicht vertraut sind: Das Script-Girl ist die Frau mit dem Notizblock, die darauf achtet, dass im Bild alles so ist, wie es sein soll – und nichts auftaucht, was dort nicht hingehört. Dass sich Kleidung und Frisuren von Einstellung zu Einstellung nicht verändern. Oder dass ein Ritter in einem historischen Film keine Digitaluhr am Handgelenk trägt. Das ist die Arbeit des Script-Girls.

Tomáš Holý und Andulka

Alton

Der Hund Blek im Film „Prázdniny pro psa/Ferien für den Hund“ war Tomáš’ eigener Hund. Er hieß Alton, und Tomáš hatte ihn schon seit seinem vierten oder fünften Lebensjahr.

Ursprünglich sollte diese Rolle ein Cockerspaniel spielen. Die Produktion ließ ihn ein halbes Jahr lang trainieren. Dann aber besuchte die Regisseurin Jaroslava Vošmiková Tomáš und seine Mutter zu Hause. Sie sah, wie Tomáš aus der Schule kam, seine Tasche in die Ecke warf und mit seinem Welsh Terrier Alton im Wohnzimmer Hockey spielte. Mit Schuhen markierte er das Tor und spielte Alton Tennisbälle zu. Der Hund stand im Tor und fing die Bälle. Da war der Regisseurin klar, dass sie im Film nicht nur Tomáš, sondern auch seinen Hund haben wollte.

Im Film gibt es eine gefährliche Einstellung: Beim Einfahren mit dem Auto in die Scheune stößt der Wagen gegen die Hundehütte. Am Steuer saß natürlich ein Stuntman. Zusammen mit dem Kameramann wurde die Szene mehrfach mit einer leeren Hundehütte geprobt, damit das Auto die Hütte nur leicht anstieß und verschob, ohne dass dem Hund etwas passieren konnte.

„Ich sah Tomáš an, dass er Angst um Alton hatte“, erinnerte sich Regisseurin Jaroslava Vošmiková. Als die Szene gedreht war, kam Tomáš zu mir und sagte:

„Frau Regisseurin, wenn dem Hund etwas passiert wäre, hätte ich die Rolle hingeschmissen.“

Wie man weiter sehen wird, war es nicht das erste Mal, dass Tomáš Holý am Set für ein Tier eintrat.

Auch den zweiten Hund, César, den Petr für sein Zeugnis bekommt, spielte Alton. Man wechselte ihm Halsband und Leine, damit er wie ein anderer Welsh Terrier aussah. Für eine Szene brauchte man, dass der Hund Tomáš ein wenig anfuhr – so, als wäre er fremd und würde ihn noch nicht kennen. Aber wie sollte man das machen? Jemand riet Tomáš, den Hund unauffällig mit der anderen Hand in die lose Haut am Nacken zu kneifen. Tomáš wollte nicht.

„Nein, Alton, das mache ich dir nicht.“

Er tat es erst, als seine Mutter es ihm befahl – seine wirkliche Mutter. Die folgende Einstellung, in der Tomáš neben dem Hund kniet und fast Tränen in den Augen hat, ist völlig echt. Als die Kamera stoppte, umarmte er Alton am Hals und entschuldigte sich bei ihm, dass er ihm ein bisschen weh tun musste.

So war Tomáš Holý.

Tomáš Holý und Alton

Bibo und Cony

In den Filmen „Pod Jezevčí skálou/Unter dem Dachsfelsen“, „Na pytlácké stezce/Auf dem Wildererpfad“ und „Za trnkovým keřem/Hinter dem Dornenstrauch/Meine Ferien mit Großvater“ treten zwei Dackel auf. Beide waren landesweite Champions und stammten von einer Züchterin aus Hostivař.

Beide spielten auch in der Serie „Arabela/Die Märchenbraut“ mit. Der größere, Bibo, den Tomáš aus dem Dachsbau rettet, spielte Vladimír Menšík, der von einem Zauberer in einen Hund verwandelt worden war. Der kleinere, Cony, den Tomáš in der Fortsetzung von Zmiják bekommt, war wiederum der Hund Pajda von Frau Majerová.

Als die Szenen gedreht wurden, in denen der Hund Brok aus dem Dachsbau gerettet wird, war es furchtbar kalt – etwa minus 19 Grad. Die kritischste Einstellung des Films: ein Hund unter Sedierung und dazu diese Kälte. Zum Glück ging alles gut aus.

Tomáš Holý, Bibo und Cony

Bibo unter sedierung, -19°C

Der Hirsch

Sicher erinnern Sie sich daran, wie der Großvater den großen Hirsch, den König des Reviers, erschießt. Ursprünglich wollte man den Hirsch tatsächlich vor laufender Kamera erschießen. Es gibt dafür sogar ein Dokument. Im Schriftarchiv der Barrandov-Studios liegt in der Akte des Films bis heute ein Brief des zuständigen Forstamtes, in dem der Crew erlaubt wird, für die Dreharbeiten einen Hirsch zu schießen. Man kann ihn dort einsehen. Nur ich Dummkopf habe ihn nicht fotografiert… Nun, ich war davon genauso angewidert wie Sie.

Die Crew begann, Tomáš Holý psychisch darauf vorzubereiten, was geschehen sollte: Direkt vor ihm sollte ein Hirsch getötet werden, und er sollte danach in mehreren Einstellungen mit dem toten Tier spielen. Tomáš lief wortlos zum Regisseur Václav Gajer und sagte ihm sehr bestimmt:

„Herr Regisseur, wenn Sie den Hirsch abknallen, schmeiße ich Ihnen die Rolle hin.“

Damals war er neuneinhalb Jahre alt.

Am Abend gab es im Hotel eine Besprechung des Stabes. Was tun? Wenn Tomáš tatsächlich das Interesse an den Dreharbeiten verloren hätte, hätte der Produktionsleiter einen fast fertigen, aber unvollendeten Film am Hals gehabt. Und ein Kind ist für seine Handlungen selbstverständlich nicht rechtlich verantwortlich. Niemand hätte ihn zwingen können, gegen seine Überzeugung weiterzudrehen.

Da meldete sich der Experte aus dem Zoo Hluboká, der zugleich Berater des Films war. Er brachte die Lösung: einen Betäubungspfeil. Alle Aufnahmen mit „toten“ Tieren wurden in Wirklichkeit mit Tieren unter Sedierung gedreht.

„Ich versprach Tomáš, dass wir wegen des Films kein Tier töten würden“, erinnerte sich Regisseur Gajer in einem seiner letzten Interviews.

Die Einstellung, in der Tomáš den erschossenen Hirsch betrachtet, wurde mit einem echten schlafenden Tier gedreht. Den toten Hirsch auf dem Schlitten in den letzten Einstellungen des Films bauten die Requisiteure. Von einem Förster liehen sie sich den Kopf mit dem Geweih und fertigten dazu eine Körperattrappe an. Nun ja, Körper – es war eher etwas, das mit Zweigen bedeckt wurde. Achten Sie darauf, dass dieser Körper für einen Hirsch ziemlich klein ist. Der echte Hirsch lief zu diesem Zeitpunkt nämlich schon wieder im Gehege herum…

Hirsch, liegend, schlafend

Der Dachs

Wenn Sie den Film sehen, achten Sie genau auf den Dachs, den der Großvater nahe des Dachsfelsens erschießt. Als Tomáš ihn sich ansieht, kann man erkennen, wie sich das Tier bewegt. Angeblich wählte Gajer nach der Erfahrung mit Tomáš absichtlich aus mehreren gedrehten Einstellungen diejenige aus, in der man die Bewegung des Tieres sieht – um den kindlichen Zuschauern anzudeuten, dass diese Tiere nicht wirklich tot sind.

Das Reh

Ich habe sogar mit jemandem gesprochen, der bei der Aufnahme mit dem erwürgten Reh dabei war, das zu Beginn der Fortsetzung über den Wilderer mit einem Draht um den Hals vom Traktorfahrer Čahoun gebracht wird. Das Reh war von einem Forstbetrieb ausgeliehen: ein Waisenkitz, mit der Flasche aufgezogen, Liebling der Kinder dort und deshalb an Menschen gewöhnt.

Der Tierarzt aus dem Zoo Hluboká gab ihm eine Injektion. Das Timing war ziemlich anspruchsvoll, weil das Mittel nur kurz wirkte. Zweimal wurde der Dialog zwischen Čahoun und dem Förster Straka gedreht. Kurz danach begann das Reh mit den Beinen zu zucken, und nach weiteren 15 Minuten stand es schon wieder.

Technisch gesehen waren diese Tiere nicht völlig bewusstlos wie ein Mensch bei einer Operation. Es war eher etwas wie ein Sedativum, wie man es kleinen Kindern am Morgen vor einer Operation gibt, damit sie keine Angst empfinden. Das Tier war gedämpft, reagierte aber noch leicht auf Berührung.

Der Fuchs

Auch das Ausräuchern des Fuchses im letzten Teil war nicht gewaltsam. Der Hund und der Fuchs stammten nämlich vom selben Züchter und waren zusammen aufgewachsen. Es gibt sogar ein Foto von den Dreharbeiten, auf dem beide – Hund und Fuchs – nebeneinander auf einer Bank sitzen und einander anschauen. Die Tiere jagten einander einfach spielerisch, und es kam zu keinerlei Aggression. Wie beim Dachs wurde auch hier absichtlich eine Einstellung im Film gelassen, in der man sieht, wie der unverletzte Fuchs aus dem künstlichen Bau herauskommt.

Es sieht so aus, als hätte Regisseur Gajer sein Versprechen gehalten.

Fortschrittlicher als Hollywood?

Diese Revolte von Tomáš hatte Wirkung. Danach traute sich im tschechischen Film kaum noch jemand, ein Tier für eine Einstellung zu töten, die zehn Sekunden dauert – mit Ausnahme von Hausschlachtungen von Schweinen.

In Hollywood war es damals noch völlig üblich, Pferden in Western Draht über den Weg zu spannen und sie bei voller Geschwindigkeit unkontrolliert stürzen zu lassen. Erst ab 1982 begann man, das zu überwachen. Amerikanische Western sind voll von tatsächlich getöteten Tieren.

Allein während der filmischen Rekonstruktion der berühmten Schlacht am Little Bighorn im Film „Little Big Man“ mit Dustin Hoffman starben zwei Pferde an den Folgen unkontrollierter Stürze, nachdem sie über ein gespanntes Seil gestolpert waren. Im ganzen Film gab es noch mehr tote Tiere.

Sogar bei uns war es besser. Das letzte wirklich tote Pferd in einem Film war angeblich Ende der 1950er Jahre im Film „Smrt v sedle/Der Tod im Sattel“.

Ibrahim

Beenden wir unsere Erzählung mit der Erinnerung an eines der vielseitigsten Tiere des tschechischen Films. In Deutschland kennt man ihn als Nikolaus, in der tschechischen Fassung heißt er Jurášek – sein wirklicher Name aber war Ibrahim. Ja, es geht um das Pferd, auf dem Libuše Šafránková im legendären Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“ reitet.

Ibrahim wurde 1956 auf dem Staatsgut in Benešov bei Prag geboren, im Gestüt Žabovřesky. In seiner Jugend sprang er im Parcours und war sogar Zweiter in der gesamtstaatlichen Rangliste der Vielseitigkeit. Mit 15 Jahren ging er in den sportlichen Ruhestand, in den Reitverein des Tschechoslowakischen Films in Prag. Einer zuverlässigen Quelle zufolge beherrschte Ibrahim etwa sechzig verschiedene Kommandos – darunter zum Beispiel Hinken oder „stell dich tot“.

Während der Dreharbeiten zu „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“ war Ibrahim bereits 17 Jahre alt.

Aschenputtel und Ibrahim

Ibrahim war ursprünglich ein Springpferd und konnte deshalb hervorragend springen.

Übrigens ist die bekannte Sprungeinstellung die einzige Szene, in der Libuše Šafránková von einer Stuntfrau gedoubelt wurde. Sie konnte sehr gut reiten und wollte den Sprung selbst machen, doch die Produktion fürchtete eine Verletzung. Am Ende kam deshalb ein Double zum Einsatz.

Die Nikolaus-Pferde in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ waren in Wirklichkeit zwei. In den meisten Aufnahmen spielte Ibrahim. Damals gab es in der Tschechoslowakei jedoch eine Epidemie der Maul und Klauenseuche. Pferde erkranken zwar nicht an dieser Krankheit, können das Virus aber passiv an den Hufen übertragen, ebenso wie Menschen es an ihren Schuhen weitertragen können. Die Deutschen ließen Ibrahim deshalb nicht über die Grenze, und die Crew musste in der DDR schnell ein ähnliches Pferd finden.

Kalif

Dieses Pferd war Kalif. Er wurde in Israel geboren, und vor langer Zeit hatte ihn der ostdeutsche Zirkus Busch gekauft. Unter anderem konnte er sogar durch einen brennenden Reifen springen. 1965 fiel er Filmstuntleuten auf. Sie nahmen Kalif mit nach Jugoslawien zu den Dreharbeiten des Westerns „Die Söhne der großen Bärin“, der auch bei uns bekannt ist.

Doch dann emigrierten die Stuntleute aus dem Ostblock in den Westen – und ließen die Tiere verlassen in einem Eisenbahnwaggon zurück. Zum Glück nahm sich das ostdeutsche Filmstudio DEFA ihrer an. So wurde Kalif ein Filmpferd, genau wie Ibrahim.

Das Studio DEFA war Koproduzent von „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“, aber zum Beispiel auch von „Der Katzenprinz“.

Kalif spielt in der Umgebung von Schloss Moritzburg. Er wartet zum Beispiel bei der Schlosstreppe auf Aschenbrödel und ist auch in den Stallszenen zu sehen. Das Innere des Stalls war nämlich in den Babelsberger Ateliers bei Berlin gebaut worden. In allen Aufnahmen aus dem Böhmerwald spielt selbstverständlich Ibrahim.

Kalif wurde 33 Jahre alt und starb 1984.

Kalif mit Aschenputtel auf der Schlosstreppe

Čaromir

Čaromir war das zottige Fjordpferd polnischer Herkunft, auf dem der Präzeptor des Prinzen, gespielt von Jan Libíček, ritt. Er war genauso alt wie Kalif und wurde zufällig ebenfalls 33 Jahre alt. Seine letzten Jahre verbrachte er im Zoopark Vyškov, wo er eine Herde begründete. Seine Nachkommen leben dort bis heute. Er starb eine Woche vor Weihnachten 1984 und war noch ein Jahr vor seinem Tod zum besten Tier des Parks gewählt worden.

Čaromir älter

Der Unfall

Während der Dreharbeiten zu „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“ ereignete sich ein kleiner Unfall, der Ibrahim die Gesundheit kostete und ihm wahrscheinlich auch etwas Lebenszeit nahm. Es geschah während der Dreharbeiten zu den ikonischen Schlussaufnahmen des Films: Der Prinz und Aschenbrödel reiten auf ihren Pferden über eine verschneite Ebene bis zum Horizont.

Es waren jedoch minus 21 Grad, und ein starker eisiger Wind wehte. Ein Pferd verträgt an sich recht starken Frost problemlos – aber nicht in Verbindung mit heftigem Wind. Diese Kombination ist gefährlich, weil sie die isolierende Wirkung des Fells beeinträchtigt.

Während der Aufnahme versank das Pferd des Prinzen, Šibal, plötzlich in einer Schneewehe – so tief, dass es sich nicht selbst befreien konnte und die Crew es teilweise ausgraben musste. Alles ging gut aus. Aber während dieser ganzen Zeit stand Ibrahim, noch warm vom Ritt, daneben in Frost und Wind und wartete. Und das war nicht gut.

Wir werden wohl nie erfahren, was genau ihm damals geschah. Manche Zeitzeugen sprechen von einer schweren Bronchitis, andere sogar von einer Lungenentzündung. Zum Glück hatte Ibrahim bei den Dreharbeiten einen erfahrenen Pfleger, der das Problem rechtzeitig erkannte und fachkundige Hilfe holte. Sonst hätte über dem Film wohl der dunkle Schatten eines toten Tieres gelegen. Ibrahim erholte sich, doch seine Lunge war offenbar angeschlagen. Aus dem eleganten Pferd wurde ein hustender Rentner.

P. S.: Der Fuchs mit dem Pfeil war ausgestopft und aus einem Schul-Naturkundekabinett ausgemustert. Der lebende Fuchs trug nur einen an seinem Fell befestigten Pfeil ohne Spitze.

Der Unfall mit dem im Schnee steckengebliebenen Pferd ereignete sich irgendwo hier.

Ibrahim über die Drehpause von Prinzessin Goldhaar, 1973

Eine Geschichte vom Dreh

Zum Schluss habe ich noch eine Geschichte von Dreharbeiten mit Ibrahim. Zwei verschiedene Menschen aus der Filmwelt erzählten sie mir unabhängig voneinander, also ist sie höchstwahrscheinlich nicht erfunden.

Es ist spätes Frühjahr 1978, und gerade wird der Film „Kočičí princ/Der Katzenprinz“ gedreht – ein Märchen von Ota Hofman und zugleich der erste Film der phänomenalen Žaneta Fuchsová. Nur nebenbei: Der Ort, von dem die Familie Král am Anfang des Films wegzieht, ist Aschenputtels Schloss Moritzburg bei Dresden.

Im Film reiten zwei kleine Kinder auf einem Pferd. Aber nicht so, wie es im Film sonst üblich ist – dass ein Trainer das Pferd an einer Leine führt. Nein, hier reiten sie wirklich selbst. Der Trainer beobachtet nur aus einer Entfernung von 10 bis 20 Metern. Die Kinder lenken das Pferd tatsächlich, und Ibrahim gehorcht ihnen wirklich. Der Junge Pavel geht in die zweite Klasse, und die kleine Žaneta Fuchsová ist noch nicht einmal eingeschult. Dies ist ihr erster Film, und während der Dreharbeiten feiert sie ihren sechsten Geburtstag. Natürlich besuchten beide vor den Dreharbeiten eine Zeit lang den Reitverein des Tschechoslowakischen Films und lernten die Grundlagen des Reitens.

Mich würde interessieren, was ihre Eltern dazu sagten – ob sie keine Angst hatten, wenn sie ihre Kinder allein auf einem Pferd sahen, das der Trainer nur aus der Ferne überwachte.

Es gibt dort einige schwierige Aufnahmen. Zum Beispiel im Gelände, als sie im Böhmischen Paradies zwischen Felsen unterwegs sind. Zuerst geht Pavel zu Fuß und führt das Pferd. Auf dem Pferd sitzt Žaneta im Sattel. Weil sie noch so klein ist, erreichte sie mit den Füßen nicht die Steigbügel. Sie hielt sich nur am Rand der Nachbildung eines historischen Sattels fest.

Plötzlich blieb Ibrahim stehen und wollte nicht weitergehen. Pavel trieb ihn an, sprach mit ihm. Nichts. Ibrahim rührte sich nicht. Natürlich verdarb er die Einstellung.

Später stellte sich heraus, dass Ibrahim gespürt hatte, wie Žaneta auf seinem Rücken ein wenig zur Seite gerutscht war und Gefahr lief, aus der Höhe auf die Steine zu fallen. Also blieb er stehen und weigerte sich weiterzugehen, damit sie nicht stürzte. Als Žaneta sich oben kurz darauf wieder etwas zurechtgesetzt hatte, ging er bereitwillig weiter.

Ibrahim, der Katzenprinz und zwei Kinder

Ibrahim konnte auch auf Kommando so tun, als sei er tot.

Das traurige Ende der Geschichte

Das Ende von Ibrahims Leben war leider sehr traurig. Ein Jahr nach „Kočičí princ“ endete er auf dem Schlachthof – im Juni 1979, im Alter von 23 Jahren. Ein ziemlicher Verrat an einem Tier, das so gern mit dem Menschen zusammenarbeitete.

Ibrahims Filmografie:

1971 Hry lásky šálivé – Trügerische Liebesspiele
1973 Tři oříšky pro Popelku – Drei Haselnüsse für Aschenputtel
1973 Zlatovláska – Prinzessin Goldhaar
1976 Malá mořská víla – Die kleine Meerjungfrau
1976 Biograf plný písniček (TV-Sendung)
1978 Kočičí princ – Der Katzenprinz

Vielleicht gibt es noch mehr Sendungen. Aber das ist schwer zu finden. Tierische Darsteller wurden damals nicht in den Credits aufgeführt, und deshalb hat selbst das Schriftarchiv der Barrandov-Studios solche Informationen nicht.